Am 14. Oktober 2025 hat Microsoft den Support für Exchange Server 2016 und 2019 beendet. Wer bereit war zu zahlen, bekam über das Programm Extended Security Updates (ESU) noch Sicherheitsupdates. Auch dieses Programm endet am 31. Oktober 2026, und Microsoft hat angekündigt, es nicht weiter zu verlängern. Ab November erscheinen für diese Versionen keine Updates mehr, auch nicht gegen Bezahlung.
Trotzdem stehen in vielen KMU noch solche Server im Serverraum. Sie laufen, die Mails kommen an, und auf den ersten Blick spricht wenig dagegen, es dabei zu belassen.
Warum ein ungepatchter Exchange heikel ist
Ein Exchange-Server ist direkt aus dem Internet erreichbar, sonst funktionieren Outlook im Homeoffice und die Mails auf dem Smartphone nicht. Genau das macht ihn zu einem bevorzugten Ziel. 2021 wurden über die Lücken mit dem Namen ProxyLogon innert weniger Tage weltweit zehntausende Server kompromittiert. Angreifer suchen solche Systeme automatisiert ab, und wer auf dem Mailserver ist, hat meist auch einen Weg ins Active Directory.
Wird nach Ende Oktober eine neue Lücke bekannt, bleibt sie auf Exchange 2016 und 2019 offen. Hinzu kommt der Datenschutz: Das Datenschutzgesetz verlangt eine angemessene Datensicherheit, und ein Server ohne Sicherheitsupdates lässt sich dabei schwer begründen. Mehr dazu im Beitrag über IT-Massnahmen nach dem nDSG.
Option 1: Exchange Server Subscription Edition
Exchange Server SE ist seit dem 1. Juli 2025 verfügbar und der direkte Nachfolger von Exchange 2019. Technisch entspricht die erste Version weitgehend Exchange 2019 CU15. Neu ist das Lizenzmodell: Neben Server-Lizenzen und Zugriffslizenzen (CALs) braucht es eine laufende Software Assurance oder Abonnement-Lizenzen für alle Benutzer. Der Server bleibt im eigenen Haus, die Lizenzkosten fallen jedes Jahr an.
Am einfachsten ist der Umstieg von Exchange 2019 CU15 auf Windows Server 2022 oder 2025, dort ist ein In-Place-Upgrade möglich. Exchange 2016 lässt sich nicht direkt aktualisieren. Hier braucht es einen neuen Server, auf den die Postfächer verschoben werden.
Wichtig für die Planung: Das zweite kumulative Update (CU2) von Exchange SE lässt sich nur installieren, wenn keine älteren Exchange-Server mehr in der Organisation registriert sind. Die alten Server müssen deshalb sauber deinstalliert werden, Ausschalten genügt nicht.
Option 2: Microsoft 365
Mit Exchange Online übernimmt Microsoft Betrieb und Updates. Das passt für Firmen, die bereits mit Teams, OneDrive oder SharePoint arbeiten. Die Migration läuft meist über eine Hybrid-Konfiguration, bei der die Postfächer schrittweise umziehen und die Benutzer kaum etwas davon merken. Bleibt danach ein Exchange-Server für die Verwaltung im Haus, stellt Microsoft dafür eine kostenlose Hybrid-Lizenz bereit.
Zu bedenken ist der Datenstandort. Die Daten liegen bei einem US-Anbieter, auch wenn Microsoft Rechenzentren in der Schweiz betreibt. Ob das für Ihr Unternehmen passt, hängt von Branche und Kundschaft ab. Hintergründe dazu im Beitrag über digitale Souveränität.
Option 3: Zimbra
Zimbra ist eine Plattform für Mail, Kalender und Kontakte, die auf eigenen Linux-Servern oder bei einem Schweizer Hoster läuft. Es gibt eine Open-Source-Ausgabe und die kostenpflichtige Network Edition mit Herstellersupport. Die Network Edition bringt einen Connector mit, über den Outlook Mails, Kalender und Kontakte synchronisiert. Für die Mitarbeitenden bleibt Outlook damit das gewohnte Programm.
Für KMU, die ihre Daten in der Schweiz behalten und keine Microsoft-Abonnemente wollen, ist Zimbra eine bewährte Alternative. Der Umstieg verlangt etwas mehr Planung als bei Microsoft 365, weil Postfächer, Kalender und Freigaben übertragen werden müssen.
So gehen Sie vor
- Bestand aufnehmen. Welche Exchange-Version und welches CU laufen auf welchem Windows Server? Wie viele Postfächer, wie viel Speicher, und welche Geräte oder Programme versenden über den Server, etwa Scanner oder das ERP?
- Entscheiden. Datenstandort, Budget und vorhandene Microsoft-Lizenzen geben meist die Richtung vor.
- Überbrücken. Bis zur Migration die letzten verfügbaren Updates einspielen und Outlook im Web nur noch über VPN erreichbar machen.
- Migrieren und aufräumen. Nach dem Umzug den alten Server deinstallieren und die DNS-Einträge für SPF, DKIM und DMARC prüfen.
Wir planen den Umstieg mit Ihnen
Wir betreuen Exchange-, Microsoft-365- und Zimbra-Umgebungen und kennen die Stolpersteine aller drei Wege. Gemeinsam klären wir, welche Lösung zu Ihrem Betrieb passt, und migrieren die Postfächer ausserhalb der Geschäftszeiten. Mehr dazu unter E-Mail-Sicherheit und Server & Virtualisierung. Wer noch ältere Windows Server betreibt, findet Hinweise im Beitrag zum Supportende von Windows Server 2016.
Häufige Fragen
Funktioniert unser Exchange nach dem Supportende weiter?
Ja. Der Server läuft weiter, und Mails werden zugestellt. Es erscheinen aber keine Sicherheitsupdates mehr, neue Lücken bleiben offen.
Können wir die Extended Security Updates noch kaufen?
Nein. Das Programm endet am 31. Oktober 2026 und wird laut Microsoft nicht verlängert.
Lohnt sich Exchange SE für ein kleines Unternehmen?
Für sehr kleine Firmen selten, weil Lizenzen, Server und Betrieb zusammen meist mehr kosten als ein gehosteter Dienst. Sinnvoll ist Exchange SE, wenn die Daten im eigenen Haus bleiben müssen und bereits Microsoft-Lizenzen mit Software Assurance vorhanden sind.
Wie lange dauert eine Migration?
Für ein KMU mit 10 bis 50 Postfächern braucht es meist einige Tage Vorbereitung und ein Wochenende für die Umstellung. Die Dauer hängt vor allem von der Datenmenge ab.

